Führung im Change Management

Führung im Change Management: Gedanken zum bundesweiten Digital-Tag

Heute am bundesweiten Digitaltag möchte ich den Fokus auf uns Menschen richten. Digitalisierung ist Fakt und nicht mehr aufzuhalten. Diese Corona Zeit hat der Digitalisierung zudem einen Schub gegeben. Nicht nur, dass mehr Menschen den wirtschaftlichen Nutzen digitaler Strukturen erkennen. Die meisten von uns praktizieren vermehrt digitales Beziehungsmanagement. Und da spüren wir es selbst auch schon: Digitalisierung ist ein komplexer Change, ja, ein existenzielles Change Management Thema. Unsere Welt wird sich wandeln. Digital erfordert eine andere Aufmerksamkeit, andere „Meeting-Zeiten“, ermöglicht bspw. nicht solch ein Nähe-Gefühl, wie bei Direkt-Kontakt. Wir Menschen brauchen allerdings Nähe, ziehen aus etlichen Signalen, die digital so nicht übertragen werden, wichtige Eindrücke. Manche sprechen bereits von Isolierung, Vereinsamung. Wir stecken schon mittendrin, im Digital-Change. Etliche Aufgaben, Arbeitsplätze, Branchen werden „verschwinden“, dafür Neues entstehen. Haben wir genug Führungskräfte mit den notwendigen Kompetenzen, im digitalen Change Management klug zu führen?

„Der mind-shift wird immer wichtiger, denn die Digitalisierung verschärft unser Gedankengut“

Claudia Kreysel

Nehmen wir mich als Beispiel. Als Beraterin, Trainerin und Coach sind mir etliche analoge Aufträge weggebrochen. Ich bin mit Leidenschaft im direkten Kontakt dabei. Videotelefonie habe ich bislang ebenso wenig eingesetzt wie ich Instagram oder andere Accounts habe. So und jetzt musste ich entscheiden: Welche Tools, welche Kamera, wohin mit der Kamera, wie unsicher wirke ich, was transportiere ich dann … . Zu meiner eigenen Unsicherheit gesellte sich Überforderung:

  • alle anderen Teilnehmenden noch irgendwie im Blick zu haben,
  • gleichzeitig in meiner vorbereiteten Präsentation im Geiste den nächsten Schritt festzulegen,
  • zu schauen, welchen Bildschirm ich freigebe,
  • ob meine Whiteboard Nutzung effizient ist etc.
  • Übertragungsverzögerungen, Tonausfälle und Bildausfälle machen es auch nicht besser.

Oft war ich dann nicht mehr bei mir. Das aber wiederum ist wichtig, um mich zu steuern und nicht von anderen und der entstehenden Dynamik gesteuert zu werden. Gerade in zunehmender Digitalität will ich mich sicher führen und fühlen. Und aus dieser Souveränität die mir anvertrauten Menschen ebenfalls klug in die Digitalität führen.

Wie führe ich Menschen klug in die Digitalität?

Wichtig ist, dass wir jeden Menschen sehen und einbinden. Da das digitale Format für die meisten noch neu ist und tatsächlich andere Spielregeln sinnvoll macht, kann das erste Ziel die „gemeinsam zu vereinbarenden Spielregeln“ sein. Starten könnte man mit Erfahrungsberichte, mit Erwartungshaltungen und Ängsten mit und ohne Erfahrungen und mit Wünschen. Ich bspw. habe gemerkt, dass die Pausenzeiten noch wichtiger und schneller erfolgen sollten, damit nicht immer mal wieder jemand aus dem Bild verschwindet. Das Verlassen beim eigenen Beitrag wird persönlicher genommen als im direkten Kontakt. Eine hierzu diskutierte Vermutung war, dass die Signale für bspw. eine biologische Pause deutlicher aufgefangen werden. Aber es geht nicht nur um Pausen, sondern auch um Redebeiträge, das Aktivieren und Strukturieren von Diskussionen, Festhalten von wichtigen Inhalten, Aufgaben und nächste Schritte.

Will ich meine Mitarbeitenden mitnehmen, dann brauche ich mit allen eine ehrliche Auseinandersetzung über notwendige und effiziente Bedingungen aber eben auch individuell gesehene Möglichkeiten: Chancen der Digitalisierung durch eigenes Lernen. Und dieses Lernen brauchen wir im Change.

Bereits die Diskussionen um Bedingungen beinhalten sehr oft ein „wenn-dann“ Gedankengut, auch Mind-Set genannt. Wir Menschen haben in den letzten Jahrhunderten unser lineares Denken stark ausgeprägt. Lineares Denken hilft allerdings in unserer Komplexität nicht weiter. Die Forderungen nach einem Umdenken werden seit einigen Jahren immer lauter. Durch die Digitalisierung verschärft sich die Forderung nach einem mind-shift noch: Denn die automatisierten, auf Algorithmen basierenden Prozesse führen ganz konsequent weiter, was als Bedingung definiert wird. „shit in – shit out.“ Fehler in diesem bedingten Denken ziehen sich dann durch alle digitalen Prozesse.

Führung im Change Management bedeutet: jeden zum Change des eigenen Mind-Set´s zu führen

Change: Die Arbeit von Morgen stressfrei, selbstbestimmt und bestenfalls im flow

Führung im und zum Change schaut nun genau auf diese „wenn-dann“ Gedankengänge. Wir spielen mit

  • „sowohl-als auch“
  • diversen Betrachtungen „was dies oder jenes bedeutet“
  • Wegfall von Funktionen oder Zielen
  • was macht das Gleichgewicht aus, was macht Stress (hier ist kriminelle Energie gefragt)
  • wir sind mal Kind, mal Außerirdischer, mal Zielgruppe
  • wir drehen „wenn und dann“ einfach mal um…

Nichts ist alternativ-los, alles kann einfach mal umgedreht werden. Je kreativer und mutiger gedacht und diskutiert werden kann, desto größer wird der Handlungsspielraum, desto kleiner werden meist Unsicherheiten und Ängste. Und die meisten unserer Ängste folgen einfachen wenn-dann Gedankengängen. Sich von diesen mal zu lösen, hilft auch beim eigenen Mind-shift. Welchen Vorurteilen, scheinbar absoluten Bedingungen und alternativlosen „Wahrheiten“ liegen wir alltäglich auf? Was lassen wir täglich ungeprüft durch unser Hirn wabern?

Vier Schritte, die zur digitalen Annäherung führen

  1. Im ersten Schritt geht es darum, von jedem Statements, Vorstellungen, Fragen oder auch Wünsche zur Digitalisierung (im eigenen Arbeitsbereich) einzufangen. Nur sammeln, nicht bewerten. Hier lohnt es sich, auch nach Chancen und Risiken zu fragen. Der Schritt endet mit einer Zusammenfassung, die jeder so akzeptieren kann. So sehen wir Digitalisierung jetzt.
  2. Im zweiten Schritt geht es darum, zu verstehen, was diese Punkte und die digitalen Chancen und Risiken für den einzelnen bedeuten. Hier geht es um Unsicherheiten, Ängste, Ablehnung, Zustimmung, Freude etc. Der Schritt endet mit der Erkenntnis, welche Bandbreite an Bedeutungen vorliegt und vom gesamten Team so ernst genommen werden.
  3. Im dritten Schritt geht es darum, selbstbestimmt und passend zum Verantwortungsraum eigene digitale Zielsetzungen finden. Hier geht es um realistische Schritte. Dies kann Recherchearbeit, Weiterbildung, ein kleines Pilotprojekt, ein Kurzkonzept sein. Diese Zielsetzungen werden schließlich gemeinsam im Team vereinbart. Der dritte Schritt endet mit einer Vereinbarung zum digitalen Change, in der jeder bestimmte Aufgaben übernommen hat.
  4. Erst dann gestalten im vierten Schritt alle die dafür notwendigen Bedingungen mit. Hier entsteht ein Maßnahmenplan mit geklärten Ressourcen, Plan B, mögliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention etc. Dieser Schritt endet mit einem klaren Termin, um gemeinsam über Erreichtes, den Weg und weiteres Vorgehen zu sprechen.

Führung im Change Management führt die Menschen unabhängig vom Thema auch immer zum Menschsein.

Claudia Kreysel

Zu ihren eigenen Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen etc. Führung hilft, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und sich immer wieder an der Realität zu überprüfen. Dafür schafft Führung

  • einen vertrauensvollen Raum,
  • störungsfreie Zeit und
  • investiert selbst Offenheit und Mut für ein Lernen und Wachsen miteinander.

Die künstliche Intelligenz (KI) ist uns hier ein Stück voraus: sie lernt (automatisch). Die KI braucht dazu weder Lust noch lässt sie sich von Ängsten oder Wut lähmen. Wir Menschen haben aber auch der KI etwas voraus: wir können frei denken, umdenken, unsere Wahrnehmung(smuster) ändern. Dafür brauchen wir Offenheit, Vertrauen, Kreativität und Mut im Arbeitsalltag. Ich arbeite an diesem mind-shift in mir. Sie auch?

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