Corona-Finanzhilfen Erfahrungen

Das Corona-Virus scheint mir schlauer als unsere Banken

Meine Erfahrungen mit Corona Finanzhilfen: August 2020

Unser Finanzminister und auch der Wirtschaftsminister haben es versprochen: Auch die kleinsten Wirtschaftseinheiten sollen in diesen Corona-Zeiten Hilfen erhalten. Ich bin eine davon: Solo-Selbstständige, Mutter von zwei Kindern, eines davon mit Pflegegrad V. Also denke ich, für die Hilfen prädestiniert zu sein:

  • seit 10 Jahren selbstständig
  • keine Schulden und unabhängig von jeglichen Sozialleistungen
  • von 2014-2018 hatte ich einen Arbeitnehmer und habe seit Mai 2020 auch wieder eine Arbeitnehmerin. Außerdem habe ich vor, weiter zu wachsen und weitere Arbeitsplätze zu schaffen.

Mittlerweile häuften sich zwar negative Erfahrungsberichte in den sozialen Medien. Aber als Optimist dachte ich mir „alles klar, dann ist das meine Chance.“

Chance für Digitalisierung

Da meine analogen Leistungen zur Zeit nicht verkaufbar sind, wollte ich einen kleinen Kredit aufnehmen (niedrigen fünfstelligen Betrag), um mich digital aufzustellen. Also habe ich mich meiner Hausbank und der KfW (oder auch nicht, die weiß wahrscheinlich gar nichts von mir) nackig gemacht. Im Grunde ist es genau so ein Gefühl, wie der Ausspruch auch lautet: „die Hosen runterlassen.“ Was dann bei mir folgte war Scham, ausgeliefert sein, ein Gefühl der Fremdbestimmung. Unabhängig davon ist es zudem ein aus meinen Augen nicht gerechtfertigter bürokratischer Aufwand. Insgesamt ca. 50 Seiten Papier mit allem drum und dran, vielen Unterschriften, Datenfreigaben etc.

Und jetzt der Clou: Nach Feierabend meiner Geschäftsbank habe ich die Unterlagen dorthin gesandt. Am nächsten Morgen um halb Zehn, zur besten Knoppers-Zeit, bekomme ich die Ablehnung.

Von wegen Finanzierungshilfen von den Banken

Es war ein Standardschreiben. Ich war richtig sauer. Also habe ich, natürlich wertschätzend verpackt, meiner Hausbank meine Verstörung, Zweifel (ob die KfW davon weiß) und Unzufriedenheit geäußert. Daraufhin habe wiederum Antwort erhalten. Und diese bringt mich dazu, Viren als schlauer, viel schlauer als Banken einzuordnen. Corona ist unserer Finanzwelt weit überlegen. Wie ich dies meine?

Viren suchen sich Wirte, weil sie sich ja nicht aus sich selbst heraus ernähren oder vermehren können, sondern stoffwechselfähige Wirte brauchen. Banken sind doch eigentlich damit zu vergleichen: aus sich selbst heraus sind sie weder lebensfähig (sie brauchen „uns Geldgeber und Geldnehmer“) noch können sie sich vermehren, sie brauchen die Kapitalmärkte und wieder uns. Aber die Viren sind schlauer, sie sind nicht so wählerisch bei ihren Wirten. Und vermehren sich dadurch durchaus prima, wie wir zurzeit an Corona schön nachverfolgen können.

 

Banken vermehren altes Denken

Ich will es nicht vorenthalten, was die Antwort war, denn diese Antwort zementiert eine Denke aus dem 18. Jahrhundert und lässt mich nur hoffen, dass irgendwann ein Unternehmer mit Solo-Selbstständigen-Erfahrungen selbst eine Bank für Solo-Selbstständige gründet. Damit ist gesichert, dass der Banken Gründer weiß, was wir Selbstständige brauchen. Der Umgang mit Zahlen beinhaltet auch gegenwärtige Möglichkeiten und zukünftige Chancen. Das Geschäftsmodell dieser Bank ist flexibel genug, um komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Mit geschultem Potenzialblick und klugen Standards kann zeitnah und angemessen Wirtschaftskraft entfaltet werden.

Ich habe den Kredit nicht bekommen, weil die verbleibenden 10% Risikoabsicherung (in meinem Fall rund 2.500,-€) nicht übernommen werden können. Nochmal zum Mitschreiben für alle, die es nicht glauben können: 2.500,-€ Restrisiko sind für unsere Banken „zu viel“ Risiko. Ein zweites Kriterium ist noch besser: Die Hauptzahl ist ein Mindestumsatz (60.000,-bis 70.000,-€) pro Jahr.

  • Es geht nicht um Erlöse oder Gewinne, also, was man aus etwas gemacht hat.
  • Es geht auch nicht um Potenziale, Entwicklungen und was noch werden kann.
  • Es geht schlichtweg um Vergangenheit: vergangene Umsätze und lineares Denken:

Was aber kann nur das Ergebnis eines Blicks auf die Vergangenheit sein: So war es, so ähnlich bleibt es. Diese wenn-dann Linearität bringt keinen Fortschritt.

Lineares Denken der Banken ist verheerender als ein Virus

Dieses lineare Denken und vermutlich auch diese Umsatzgrenze ist aus dem letzten Jahrhundert und hat mit Zukunftsorientierung, cleveren Entscheidungen und flexibler Entwicklung nichts zu tun.

Was lerne ich aus diesem Vorgang:

  1. Theorie ist eben nicht Praxis.
  2. Die wenigsten Menschen (außer uns Selbstständige selbst) verstehen Selbstständigen-Dasein. Dabei sind wir mittlerweile eine ernstzunehmende Gemeinschaft und werden nach meiner Prognose noch mehr.
  3. Banken kommen aus ihrem feudalen, verstaubten und inflexiblen Denken noch nicht raus.
  4. Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner.
  5. Munter bleiben, mit Familie und Freunden drüber lachen und weiter kleine Schritte in die Digitalisierung selber machen.

Wer mag, wird also von mir mit Bordmitteln und Kreativität meinen Weg in die Digitalisierung mitverfolgen können. Und als erstes werde ich mich dem Thema „neu denken“ widmen, das scheint mir ausbaufähig.

Was sind Ihre Erfahrungen? 

Schreiben Sie mir einfach über das Formular oder hier in den Kommentaren. Ich bin sehr gespannt.

Bildernachweis:

AdobeStock_333333918; AdobeStock_55174606; AdobeStock_117734721

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