Corona-Finanzhilfen Erfahrungen

Das Corona-Virus scheint mir schlauer als unsere Banken

Corona Finanzhilfen Erfahrungen: Mein kurzer Bericht. April 2020

Unser Finanzminister und unser Wirtschaftsminister haben es versprochen: Auch die kleinsten Wirtschaftseinheiten sollen in diesen Corona-Zeiten Hilfen erhalten. Ich bin eine davon: Solo-Selbstständige in Teilzeit, weil ich auch noch (auch ohne Corona) zwei Kinder betreue, eines davon mit Pflegegrad V. Ich bin aus noch einem Grund prädestiniert, die Hilfen zu erhalten: Ich habe seit 10 Jahren diese Selbstständigkeit, keine Schulden, unabhängig von jeglichen Sozialleistungen, hatte zwischenzeitlich einen Arbeitnehmer und habe auch wieder vor, zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Entgegen negativen Erfahrungsberichten in den sozialen Medien lautete die Botschaft aus Talkrunden und Interviews: Kleinen wird geholfen, die Banken haben ja kein Risiko.

Alles klar, dachte ich, dann ist das meine Chance. Da meine analogen Leistungen zur Zeit nicht verkaufbar sind, wollte ich einen kleinen Kredit aufnehmen (niedrigen fünfstelligen Betrag), um mich digital aufzustellen. Also habe ich mich meiner Hausbank und der KfW (oder auch nicht, die weiß wahrscheinlich gar nichts von mir) nackig gemacht. Im Grunde ist es genau so ein Gefühl, wie der Ausspruch auch lautet: „die Hosen runterlassen.“ Es ist Scham, es ist ausgeliefert sein, ein Gefühl der Fremdbestimmung. Und es ist ein aus meinen Augen nicht gerechtfertigter bürokratischer Aufwand. Insgesamt ca. 50 Seiten Papier mit allem drum und dran, vielen Unterschriften, Datenfreigaben etc.

Und jetzt der Clou: Nach Feierabend meiner Geschäftsbank habe ich die Unterlagen dorthin gesandt. Am nächsten Morgen um halb Zehn, zur besten Knoppers-Zeit, bekomme ich die Ablehnung.

Von wegen Finanzierungshilfen von den Banken

Standardschreiben. Ich war richtig sauer. Also habe ich wertschätzend verpackt meine Verstörung, Zweifel (ob die KfW davon weiß) und Unzufriedenheit mit der Kundenorientierung geäußert. Ich habe wiederum Antwort erhalten. Und diese bringt mich dazu, Viren für schlauer, viel schlauer als Banken einzuordnen:

Viren suchen sich Wirte, weil sie sich ja nicht aus sich selbst heraus ernähren oder vermehren können, sondern stoffwechselfähige Wirte brauchen. Banken sind doch eigentlich damit zu vergleichen: aus sich selbst heraus sind sie weder lebensfähig (sie brauchen „uns“) noch können sie sich vermehren, sie brauchen die Kapitalmärkte und wieder uns. Aber die Viren sind schlauer, sie sind nicht so wählerisch bei ihren Wirten. Und vermehren sich dadurch durchaus prima, wie wir zurzeit an Corona schön nachverfolgen können.

Ich will es nicht vorenthalten, was die Antwort war, denn diese Antwort zementiert eine Denke aus dem 18. Jahrhundert und lässt mich nur hoffen, dass irgendwann ein Unternehmer mit Solo-Selbstständigen-Erfahrungen selbst eine Bank für Solo-Selbstständige gründet. Der weiß, was wir brauchen, der mit Zahlen auch umgehen kann, der Potenziale sieht und flexibel denken und handeln kann.

Ich habe den Kredit nicht bekommen, weil die verbleibenden 10% Risikoabsicherung (in meinem Fall rund 2.500,-€) nicht übernommen werden können. Nochmal zum Mitschreiben für alle, die es nicht glauben können: 2.500,-€ Restrisiko sind für unsere Banken „zu viel“ Risiko. Ein zweites Kriterium ist noch besser: Die Hauptzahl ist ein Mindestumsatz von 60.000,-€ pro Jahr. Es geht nicht um Erlöse oder Gewinne, also, was man aus etwas gemacht hat. Es geht auch nicht um Potenziale, Entwicklungen und was noch werden kann. Es geht schlichtweg um Vergangenheit: vergangene Umsätze und lineares Denken: So war es, so ähnlich bleibt es.

Lineares Denken der Banken ist verheerender als ein Virus

Dieses lineare Denken und vermutlich auch diese Umsatzgrenze ist aus dem letzten Jahrhundert und hat mit Zukunftsorientierung, cleveren Entscheidungen und flexibler Entwicklung nichts zu tun.

Was lerne ich aus diesem Vorgang:

  1. Theorie ist eben nicht Praxis.
  2. Die wenigsten Menschen (außer uns Selbstständige selbst) verstehen Selbstständigen-Dasein. Dabei sind wir mittlerweile eine ernstzunehmende Gemeinschaft und werden nach meiner Prognose noch mehr.
  3. Banken kommen aus ihrem feudalen, verstaubten und inflexiblen Denken noch nicht raus.
  4. Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner.
  5. Munter bleiben, mit Familie und Freunden drüber lachen und weiter kleine Schritte in die Digitalisierung selber machen.

Wer mag, wird also von mir mit Bordmitteln und Kreativität meinen Weg in die Digitalisierung mitverfolgen können. Und als erstes werde ich mich dem Thema „neu denken“ widmen, das scheint mir ausbaufähig.

Was sind Ihre Erfahrungen? 

Schreiben Sie mir einfach über das Formular oder hier in den Kommentaren. Ich bin sehr gespannt.

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Corona Finanzhilfen Erfahrungen: Was kommt von den Versprechungen der Politiker auch wirklich bei den Unternehmen an? Hier meine Erfahrungen
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