Kurzarbeit

Neue Ansprüche an Führung

Kurzarbeit kann materiell ein Krisenhelfer sein. Aber was passiert mit den Menschen und dem Team? Sollen positive kurzfristige Effekte nicht von negativen Langzeitfolgen aufgefressen werden, braucht es zwei weiterer Perspektiven in der Unternehmensführung. Mit welchen Inhalten die „gesunde Führung“ aus der Krise führen kann, lesen Sie hier.

Als Krisenbewältigung für Unternehmen erfährt die Kurzarbeit einen Hype. Finanziell kann es für viele ein sinnvolles Mittel sein. Aber Corona ist ja nur ein Teil der gegenwärtigen Krise. Wir haben Digitalisierung, Umbrüche in der Weltwirtschaft und stecken mitten in einem Transformationsprozess. Klimawandel und die jungen Generationen befeuern diesen ebenso wie mutige Unternehmende, die jetzt in Zukunftstechnologien investieren – trotz Krise. Und diese ganzen Umwälzungen, Unsicherheiten sowie das Wegbrechen von zuvor sicher scheinenden Orientierungen erzeugen Ängste, Verzweiflung bis hin zu Ohnmacht.

Kurzarbeit belastet Mitarbeitende

Denn Mitarbeitende wollen arbeiten, Teil des Unternehmens sein. Insbesondere ihre Selbstwirksamkeit und ihren Teamerfolg spüren. In Kurzarbeit sind Sie weit entfernt davon.

Gut, es gibt auch positive Seiten: Vereinbarkeit von Familie, vielleicht auch Pflege fällt auf einmal viel leichter. Auch Entspannung und Erholung, eine der drei Grundbedürfnisse von uns Menschen, ist in Kurzarbeit viel leichter umsetzbar. Aber die anderen beiden Grundbedürfnisse – Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit – verlieren ihren beruflichen Kontext. Mit Weiterbildungsmaßnahmen ist dies auch nicht unbedingt aufzuweichen. Wer diese schon selbst erfahren hat, erkennt die Gründe…

Welche weiteren Perspektiven fehlen also, um Kurzarbeit als sinnvolles Instrument dennoch anzuwenden? Zusätzlich zur substanziellen oder materiellen Sicht braucht es die Sicht auf den einzelnen Menschen. Genauso wenig, wie ich alle Mitarbeitenden auf alle Arbeitsplätze einsetzen kann, können alle Mitarbeitende Kurzarbeit gleichermaßen gesund umsetzen. Hier braucht es individuelle Gespräche und Vereinbarungen.

berufliche Eingebundenheit

Gesunde Führung als Basis für Kurzarbeit 

Mitarbeitende und Führungskräfte sind in Deutschland das einzige Entwicklungspotenzial, denn Bodenschätze sind bei uns rar. Sie entwickeln Innovationen, digitalisieren Prozesse, optimieren, vernetzen, erfüllen Kundenwünsche und sind die Verantwortlichen für Leistungszufriedenheit. Und für Leistung braucht es Gesundheit. Je stärker unsere Gesundheit, desto schwerer haben es Krankheiten und auch Corona.

Gesunde Führung gibt jedem einzelnen Mitarbeitenden Orientierung und damit Sicherheit. Ganz pragmatisch kann ein Bild aller notwendigen Bausteine für die Leistungszufriedenheit (mit und ohne Kurzarbeit) über diverse Arten erstellt werden: Mitarbeitergespräch, fokussiertes Feedback, aber auch über ein gemeinsames Brainstorming. Wichtig ist, zu erkennen, was jeder Mitarbeitende braucht, um gesund und zur Zufriedenheit aller Beteiligten Leistung zu erbringen. Einige Beispiele:

  • Was schafft Planungssicherheit, wie viel Zeit wird gebraucht?
  • In welchem Umfang und welchem Rhythmus wird ein Austausch gebraucht?
  • Was könnten individuelle Unterstützungsleistungen sein?
  • Was schenkt Orientierung, Selbstwirksamkeit und schafft Leistungsbereitschaft?
  • Welche Kriterien entscheiden über die Dauer der Kurzarbeit?
  • Was kann getan werden, um gesund durch die Kurzarbeit zu kommen?
  • Wie wird die Wiedereingliederung laufen? Welche Meilensteine und Unterstützungen gibt es da?

Je besser die individuelle Situation von beiden verstanden und gestaltet wird, desto gesünder wirkt die Kurzarbeit. Denn wir alle haben Verantwortung, Einflussfaktoren für psychischen Erkrankungen bestmöglich zu gestalten. Die steigende Anzahl psychischer Erkrankungen kann gerade in Krisenzeiten mit ungewohnten Formaten wie Kurzarbeit noch mehr Feuer erhalten. Dem kann und muss verantwortungsvoll entgegen gewirkt werden. Deswegen bedarf es noch einer dritten Perspektive.

Mitarbeiterfragen beantworten

Gesunde Führung heißt Mitarbeitende als Beziehungspartner führen

Statt „Kadavergehorsam“ entwickeln wir uns gottseidank immer mehr in Richtung „auf Augenhöhe führen“. “Mitbestimmung und Partizipation” rücken in den Fokus. Mitarbeitende werden dabei unterstützt sich zu „unternehmerisch denkende und handelnde Mitarbeitenden” zu entwickeln. Sie sind nicht mehr schlicht funktionierende Erfüllungsgehilfen, sondern Beziehungspartner. Was heißt das konkret?

Selbst wenn Corona irgendwann überstanden ist, werden wir weiterhin Herausforderungen und Krisen zu meistern haben. Das bedeutet, dass es für jede Führungskraft wichtig ist, veränderungswillige und veränderungsfähige Mitarbeitende zu haben. Ausgestattet mit einer hohen Flexibilität. Bezüge, und damit Beziehungen, sind immer wieder neu zu justieren.

Kein Kind lernt gut klettern, wenn die Eltern es mit ängstlichen Kommentaren und zusätzlichen Schutzmaßnahmen einengen. Genauso wenig lernen Mitarbeitende Flexibilität, wenn sie keinen Gestaltungsfreiraum und Verantwortungsfreiraum erhalten. Beziehungen sind genau zu verhandeln. Strukturiert gelingt dies gut über Führung mit Zielvereinbarungen. Für den Anfang reicht es zu klären: Welche Aufgaben sollen mit welchem Ziel und Nutzen für wen mit was oder mit wem bis wann wie erstellt werden? Insbesondere die gemeinsame Erkenntnis von Zielen und Nutzen (der Aufgaben und Verantwortungen) ist entscheidend. Nur so kann rechtzeitig erkannt werden, dass Aufgaben und Ihre Anforderungen sich ändern und Mitarbeitende sich mit ändern können müssen wollen!

Nehmen Sie die Zukunft ein Stück vorweg: Überlegen Sie gemeinsam, was in einigen Monaten oder 10 Jahren an Arbeitsleistung notwendig sein wird. Das schafft Orientierung und Sicherheit. Eine Einschätzung, welche Zukunftstrends bis wann schon Realität sein werden, stärkt den Gestaltungswillen. So kann rechtzeitig über Chancen und Risiken nachgedacht, Alternativen gefunden und an innovativen Produkten und Leistungen gebaut werden.

Mitarbeiter Hilfe

Kurzarbeit: In 5 Schritten zur gesunden Führung

1. Wage es, den Menschen wichtiger zu nehmen

Wichter als die Einsparpotenziale ist die gesunde Mitarbeiterbindung und Perspektive für die zukünftige Leistungsbeziehung. Was gehört zur Leistungszufriedenheit aller Beteiligten dazu? Was ist für alle gesund?

2. Entdecke, was wirklich wahr ist

Wie geht jede*r Mitarbeiter*in individuell mit dem Thema Kurzarbeit um? Was sind die individuellen Rahmenbedingungen zuhause? Welche Hilfen können angeboten werden?

3. Die richtigen Bezüge finden

Wozu kann die Kurzarbeit dennoch genutzt werden? Wie können Mitarbeitende selbst wirksam bleiben und sich dennoch zugehörig fühlen? Was braucht es an Kommunikation dafür und wie ist das für alle gut leistbar?

4. Einzigartige Chancen sehen

Krise als Wort ist bei den meisten sehr negativ belegt. Es sind jedoch wir Menschen, die Situationen positiv oder negativ bewerten. Hier liebe ich ein Zitat von Seneca „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ Wo steckt die einzigartige Chance für uns? Was können wir jetzt  – dank der Krise – was wir sonst nicht (so) könnten? Wo sensibilisiert und aktiviert die Krise uns?

5. Vertraue und genieße mehr

Ja, in einer Krise von genießen sprechen, scheint schon fast wahnsinnig. Was ich damit meine ist: Gerade in einer Krise entsteht aus Vertrauen wieder Sicherheit und Kraft. Und wenn ich sowohl in mir als auch in der Arbeitsbeziehung einzigartiges Licht entdeckt habe, kann ich dieses Licht, diese Orientierung genießen. Wir haben schon viele Krisen gemeistert, sind fähig zu denken, fühlen, wahrzunehmen, zu kommunizieren, zu handeln. Und wir können es genießen, die vor uns liegenden Chancen zu realisieren. Zeigen wir was (noch) in uns steckt. Genießen wir es uns  – und die kleine Beziehungswelt um uns herum  – ein wenig zu verändern und verbessern.

Potentialentfaltung

Kurzarbeit braucht gesunde Führung

Gerade jetzt in Zeiten von Kurzarbeit, müssen Menschen mitgenommen werden und Arbeitsbeziehungen gesund gestaltet werden. Lassen Sie die Menschen nicht allein und schaffen Sie gemeinsame Perspektiven. Die Kurzarbeit entfaltet nur dann ihre vollständige Wirkung, wenn alle Ebenen unserer komplexen globalen Welt mitgestaltet werden: Substanz + Mensch + Beziehung. Was ein neues Denken noch erleichtert, thematisiere ich in einem meiner nächsten Blogs.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Umsetzung gesunder Führungsstrukturen?  Passende Angebote rund um gesunde Führung finde Sie hier. Ansonsten nehmen Sie gerne mit mir Kontakt auf.

Ich freue mich auf einen Austausch!

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